HAFEN PUERTO PUYUHUAPI
Puyuhuapi, ein auffälliges Hafendorf, ist gleichzeitig das Land der Pioniere sowie der liebenswerten und abenteuerlustigen Menschen. Die großen hölzernen Herrschaftshäuser, die wohlgepflegten Gärten, die bekannte Teppichfabrik und die allgegenwärtigen Naturschauplätze, die fast ebenso bekannt sind wie die eigentliche Geschichte dieses Dorfes, all dieses sind die herausragenden Merkmale dieser pittoresken Gemeinde, die am Ende eines Kanals angesiedelt ist.
Diese Geschichte begann mit der deutschen Schlappe im Ersten Weltkrieg (1914-1919), die darauffolgende Wirtschaftskrise zwang viele Menschen, in andere Länder auszuwandern und neue Horizonte zu suchen für eine bessere Zukunft.
Das ferne Amerika erschien hier wie ein Paradies voller Reichtümer und Möglichkeiten, ,eine unbekanntes und lockendes Land einer wunderschönen und zum Teil noch unentdeckten Geografie.
Aus diesem Grunde ersonn der deutsche Geschäftsmann Robert Uebel einen Immigrationsplan zum Kanal von Puyuhuapi im fernen chilenischen Patagonien, welches heutzutage ein Teil der Provinz von Aysén (Región XI Aysén) ist.
An dieser Stell muss noch erwähnt werden, dass diese patagonische Bucht vor der Ankunft der deutschen Einwanderer zeitweise von den Chonos besiedelt war, einer kanufahrenden Gemeinde, die später nach Chiloé umsiedelte. Die zurückgelassenen Conchales (Seidenbäume) am Strand zeugen noch heute von den damaligen Besiedlern.
Aber zurück zur Geschichte. Uebels Plan fand bei den jungen Deutschen Otto Uebel, Karl Ludwig, Walter Hopperdietzel und Ernesto Ludwig großen Anklang, der sich noch weiter durch die Erzählungen von Hans Steffen, einem bekannten Erforscher des Okzidentalen Patagoniens, steigerte. Und so starteten sie, auch aus Angst vor einem erneuten Angriff und Aufflammen des Krieges, ihre Auswanderung nach Chile. Auf nach America!
Auf patagonischem Boden angekommen, gesellen sie sich zu der Gruppe von Augusto Grosse, einem feurigen Entdecker, dessen Beitrag einige Jahre später entscheidend zur Gestaltung des gesamten Straßensystems der Region sein sollte.
Am 10. Januar 1935 gründete die kleine Immigrantengruppe das Dorf Puyuhuapi. Anfangs widmeten sich die Einwanderer der Landwirtschaft, wofür sie bald Eingeborene aus Chiloé einstellten, die mit ihren Familien übersiedelten.
Mit der Zeit kamen weitere europäische Immigranten in das Dorf, auch die Pioniere bekamen bald Nachfahren und so wurden die ersten Grundlagen für die Entwicklung der Landwirtschaft und Agroindustrie gelegt.
Eine große Zukunft versprach die Eröffnung einer blühenden Webfabrik durch Walther Hopperdietzel, Ernest Ludwig und Otto Uebel neben anderen. Auch ist der eifrige Arbeitseinsatz der eingeborenen Einwohner aus Chiloé nicht zu vergessen, die entscheidend zur Entwicklung des Dorfes in dem abgelegenen Landstrich der Provinz Aysén beitrugen, die immerhin ganze 225 Kilometer von Coyhaique, der Hauptstadt der XI. Region, entfernt liegt.
Aus eben diesen Anfangstagen stammen noch die pittoresken Häuser aus Holz mit dem auffälligen europäischen Einfluss (heutzutage ist mehr als eines bereits eine gemütliche Pension) und die stolze Fabrik handgewebter Teppiche, deren Besuch ein Muss ist für jeden Besucher dieses entlegenen Streifens des chilenischen Patagoniens, zu dem man auf der Strecke Chaitén-Coyhaique der sogenannten Carretera Austral gelangt, die in den Jahren 1976 bis 1981 gebaut wurde.
Mit dem Bau der Straße wurden Puyuhuapi und andere Dörfer Zentralpatagoniens wie La Junta, Puerto Cisnes, Chaitén und Coyhaique mit dem Rest des Landes verbunden, wodurch sich für abenteuerlustige Reisende eine ganze Welt voller Gletscher und Fjorde, Kanäle und Flüsse, in denen das Angeln zur wahren Wonne wird, und verschlungene Pfade, die sich durch die vor Leben nur so strotzenden Wälder mit ihrer atemberaubenden Flora und Fauna ziehen, aufgetan hat.
Das überschäumende Leben in dieser Region ist so gegenwärtig, so sich dieses sogar im Namen des Dorfes niedergeschlagen hat. Puyuhuapi stammt aus der patagonischen Fauna und bedeutet "Ort der Puyes", einer Fischart, die sehr häufig in den Flüsse und Kanälen zu finden ist. Und dies ist nur ein Beispiel der vielen Tierarten, die ihr Reich im nahegelegenen Nationalpark Queulat haben, einem Meisterwerk von Mutter Natur mit seinen Gletschern und Lagunen.
Die Rieseroute der Besucher sollte jedoch auch die heilende Wärme der Thermen von Puyuhuapi nicht außer acht lassen, einem der wichtigsten Medizinalbäder des Landes. Die randvoll mit den warmen Wassern des Vulkans Melimeyu gefüllten Schwimmbecken und Jacuzzis helfen mit ihren 85°C warmen, stark mineralhaltigen Wassern bei rheumatischen Schmerzen und anderen Krankheiten.
Heutzutage gibt es in Puyuhuapi eine gute touristische Infrastruktur, die gemütlichen traditionellen Unterkünfte in den alten Herrenhäusern aus Holz eingeschlossen. In diesen kann man sich wie die einstigen Einwanderer fühlen, zwischen Europäern und Einheimischen, zwischen Deutschen und Huilliches, die gemeinsam ihre Zukunft an diesem entlegenen, unbekannten und verheißungsvollen Ort Chiles erbaut haben.
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